Tag 11 nach der ersten Chemo – meine aktuellen Sorgen

Tag 11 nach der ersten Chemogabe. Irgendwie hat sich mein Wohlbefinden immer weiter gebessert. Als würde ich nach einer Grippe von Tag zu Tag gesünder werden. Und irgendwie ist der Krebs weit weg. Ich weiß, dass in mir der Krebs tobt, aber es will nicht so richtig wahr sein. Der Krebs ist heute gar nicht mein Hauptproblem. Auch die Schleimhäute bessern sich. Es tut schon noch weh beim Schlucken, aber auch hier ist es so, dass alles auf dem Weg der Besserung ist. Natürlich weiß ich auch, dass sich der Wind am Freitag drehen wird. Denn dann bekomme ich die 2. Chemotherapie. Das, was ich gelesen und gehört habe, ist alles nicht so toll. Bei den meisten haut die 2. Runde nämlich so richtig rein. Alles wird noch heftiger, schmerzhafter und unangenehmer als bei der ersten Runde.

Trotzdem. Jetzt aktuell quälen mich ganz irdische, wirtschaftliche und in der Zukunft liegende Themen und Ängste. Und das ist es, was mich gerade so beschäftigt, dass ich darüber schreiben möchte. Meine Zukunft, meine berufliche Perspektive. Meine Wünsche und Träume. Also all die Sorgen, die den Lebenden wichtig sind.

Computersicherheits-Influencer – das wäre so cool geworden

Ich hatte mir Ende 2024 vorgenommen, zusätzlich zu meinen Büchern auf Amazon weitere Standbeine aufzustellen, und habe dazu auch einen ganz klaren Plan niedergeschrieben und mich auch an diesen Businessplan gehalten. Der Plan ist sogar behördlich vorgelegt und geht bis heute auch auf. Besser als berechnet. Zu meinen Büchern laufen meine Hauptwebsites ralf-peter-kleinert.de und blog.ralf-peter-kleinert.de. Dann habe ich den YouTube-Kanal ComputerRalle und einen englischen YouTube-Kanal ComputerRalle_EN. Es existieren ein Facebook-, ein Insta- und ein TikTok-Kanal, welche alle drei noch nicht aktiv bespielt werden. Mit TikTok habe ich gerade angefangen, dann kam die Diagnose. Also liegt TikTok wieder brach. Habe da nur kurz das Maul aufgerissen und war dann wieder weg vom Fenster.

Mein Plan war hier ganz simpel. Ich, ComputerRalle, wollte in kurzen, knappen Videos den ganz großen Experten rausbaumeln lassen. Ich wollte den Leuten Tipps an die Hand geben, damit Hacker und andere kriminelle Elemente es schwerer haben, die normalen Menschen von Hacke bis Nacke zu bescheißen. Das Einmaleins der digitalen Sicherheit am PC, Handy oder TV sollte über die sozialen Medien flimmern, und alle sollten mich dann mit Ruhm und Ehre überhäufen und mich anbeten. Aber nö. Da muss ja dann ein Krebs um die Ecke stiefeln. Man, ich könnte so kotzen!

Ich möchte so gerne weiter Lehrer sein

Ich persönlich finde es vom Schicksal so ungerecht. Ich habe mir wirklich viel Arbeit und Mühe gemacht. Und das, was ich über meine Bücher und Videos lehre, ist mir nicht einfach in den Schoß gefallen. Ja, ich mache es gerne. Bin geborener Autodidakt, aber dennoch steckt da viel Arbeit, Lesen, Lernen und Probieren drin. Wenn man Wissen weitergeben will, muss man zunächst selbst über dieses Wissen verfügen. Und wenn man auf Fehler aufmerksam machen will, muss man zunächst die Fehler selbst auch machen. Oder umgedreht. Man will was machen, legt sich gepflegt auf die Schnauze und informiert dann andere über dieses mögliche Scheitern. Alles in allem habe ich mein Leben lang mein Gehirn mit Elektronik, Physik und Computerscheiß malträtiert, sodass ich heute sehr sicher darüber reden und schreiben kann. Und das liegt mir, das macht Spaß und das ist das, was ich machen will. Der Gelehrte mit dem weißen Bart, oben auf’m Berg. Dumme Fragen anhören und noch dümmere Antworten zurückgeben. Das ist, das war mein großer Traum.

Die Zahlen die mich stolz machen, aber die mich auch so traurig machen

Ich bin mir sicher, dass ich es geschafft hätte mein Ziele zu erreichen.

Amazon Buchverkäufe letzte 6 Monate:

Amazon Verkauf Zahlen ComputerRalle

Website Aufrufe ralf-peter-kleinert.de, letzte 12 Monate:

Website Klick Zahlen ComputerRalle

Website Aufrufe blog.ralf-peter-kleinert.de, letzte 12 Monate:

Website Klick Zahlen 2 ComputerRalle

YouTube-Kanal ComputerRalle, letzte 12 Monate:

YouTube Aufruf Zahlen ComputerRalle

Diese Zahlen sind nicht die Welt und große Creator würden darüber lachen. Diese Zahlen sind ein absoluter Witz. Aber nicht für mich. Für mich bedeuten diese Zahlen Substanz. Etwas, mit dem ich gezielt arbeiten kann. Zahlen, die ohne Clickbait, ohne Werbung und ohne krumme Dinger ganz natürlich und alleine gewachsen sind. Dieses Potenzial und die Chance, die dir ganz langsam und ganz bewusst durch die Finger rieseln, und die Finger haben nicht die Kraft, diese Chance zu greifen und festzuhalten. Wirklich. Das ist so bedauernswert. So hart und fies. Das ist so unsagbar scheiße, hier im Bett zu hocken und das alles den Bach runtergehen zu sehen.

Hab grad ’n bissl geheult. Weil es auch einfach nur noch zum Heulen ist. Hab so viel Geld in mein Studio gesteckt. Wollte vom Keller aus die Welt verändern. Wollte die Welt verbessern und mir nebenbei die Taschen füllen. Nicht wie die Politiker, die die Welt immer beschissener machen und sich dabei die Taschen füllen.

Ich gebe nicht auf. Ich besiege den Krebs und werde weitermachen!

Durch meine Kunden, Bekannten und vielen anderen Leuten, die mir schreiben, habe ich zu hören bekommen, dass nach der Entfernung meines Magens meine Leistungsfähigkeit schwer darunter leiden wird. Ich kann dann wahrscheinlich nicht mehr tagelang an einem Linux-Server basteln, seine Macken ermitteln, ein Tutorial machen und dann Stunden und Tage am Schnittrechner sitzen. Die Videofrequenz wird somit abnehmen, und ob dann noch ein Wachstum drin sein wird, weiß ich nicht.

Aber ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, meinen Weg zu gehen. Mein eigenes Geld zu verdienen und anderen weiterzuhelfen. Ganz einfach, weil es mich erfüllt.

PS. Liebe Script-Kiddys

Auch die Entwicklung meines Paperless-Backup-Programms in Delphi hat mir unheimlich viel Freude gemacht. Aber Softwareentwicklung ist eben nicht nur ein bisschen Code schreiben. Dahinter stecken logisches Denken, stundenlange Fehlersuche, Ausprobieren, Verwerfen und wieder von vorne anfangen. Es ist ein aufwendiger, stressiger und unglaublich kraftraubender Prozess. Genau diese geistige Leistung wird mir nach der Magenentfernung vermutlich nicht mehr in dem Maße möglich sein. Deshalb werde ich mein Programm wahrscheinlich nicht mehr weiterentwickeln können. Irgendwann wird es dann einfach verschwinden. So wie viele andere kleine Softwareprojekte, die von einzelnen Entwicklern mit Herzblut geschaffen wurden.

Ich habe Object Pascal über viele Jahre gelernt. Lange bevor es überhaupt künstliche Intelligenz gab. Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, die Sprache zu verstehen, Fehler zu suchen und die Funktionsweise eines Computers zu begreifen. Programmieren bedeutet für mich nicht, Code zu schreiben. Programmieren bedeutet zu verstehen, warum der Code funktioniert. Und genau deshalb möchte ich den heutigen Script-Kiddys auch etwas mit auf den Weg geben: Wer nicht programmieren kann und nicht versteht, was dort im Hintergrund passiert, der kann eben nicht programmieren. Wer sich seinen kompletten Quellcode von Claude oder einer anderen KI zusammenbauen lässt, besitzt am Ende keinen Überblick mehr über das eigene Projekt. Das Ergebnis sind Programme, die zwar irgendwie laufen, deren Entwickler aber gar nicht mehr nachvollziehen können, was der Code eigentlich macht. Genau dadurch entstehen neue Sicherheitslücken und neue Einfallstore für Angreifer. Wer Software entwickelt, muss diese verstehen! Ihr macht es euch einfach zu einfach!

5 Kommentare zu „Tag 11 nach der ersten Chemo – meine aktuellen Sorgen“
  1. Ich denke nach dem Lesen wie viel Glück das Leben hat. Und das auch mit und ohne Karriere! Einfach den Tag annehmen und was gutes daraus machen.
    Nehme sie jeden Tag an und bleiben sie optimistisch.
    Weiter alles Gute auf ihren Weg!

  2. Hallo Ralf, würde sagen du musst nicht denn Kopf hängen lassen. Mach das was du dir vorgestellt und vorgenommen hast. Das ist alles positiv, und gut für deine Gesundung. Weil wer nicht positiv denkt und handelt wir nicht Alt.

    Gute Besserung

  3. Hallo Herr Kleinert,
    ich wünsche ihnen weiterhin alles Gute und drücke auch für die anstehende Therapie alle Daumen und crosse die fingers. So kann ich zwar nicht arbeiten aber da muss ich halt Prioritäten setzen. Denken Sie immer schön positiv und getreu dem Motto „Vorfreude schönste Freude“ behalten Sie auch ihre Ziele im Auge. Beste Grüße Sascha

  4. Hallo Ralf-Peter,
    laß Dich nicht von Aussen durch Bekannte usw. verrückt machen, indem die Dir sagen, was Du nach der Behandlung kannst oder nicht mehr kannst. Eine Erkrankung läuft bei jedem Menschen so individuell wie der Mensch selber ist. Geht Du optimistisch mit Deiner Krankheit um, wird der Verlauf gut sein, gegenüber jemandem der pessimistisch dreinschaut und sich von negativen laienhaften Vorhersagen runterziehen läßt. Denk an den Boxer ! Nur nicht bis 10 zählen lassen !

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