Hallo liebe Leser meines Blogs.
Ich möchte nun erneut Familie, Freunde und Follower über meinen weiteren Werdegang mit meiner Magenkrebserkrankung und nach meiner Magenentfernung informieren. Heute war ich in Berlin-Buch in der Klinik und es gab das postoperative Gespräch und die Auswertungen des Tumorboards.
Was ich heute nach dem Gespräch erkannt habe, ist, dass nichts, was der Arzt erzählt, dass nichts, was die Ärzte als postoperative Diagnose berichten, den Befreiungsschlag bringt. Der Arzt redete und sprach, ich fragte und der Arzt sprach weiter. Aber nichts von dem, was der Arzt mir sagte, ließ mich in die Luft springen und vor Freude in Tränen ausbrechen. Ich bin mir sicher, dass es nahezu jedem Krebskranken so geht. Hat dich diese Krankheit einmal heimgesucht, hast du immer die Angst, dass sie wieder ausbricht, auch wenn ein Arzt sagt: „Du bist geheilt“. Immer schwingt das Risiko mit, dass sich irgendwo so eine miese Krebszelle eingenistet hat, und immer schwingt die Angst mit, dass diese kleine Zelle wieder auswuchert.
Was also hat der Arzt zu mir gesagt? Im Grunde waren die Informationen gut. Aber Luftsprünge kann ich dennoch nicht machen. Er sagte, dass die Entfernung der richtige und einzige Weg war, mein Leben zu verlängern. Noch immer steht das Ziel „Heilung“ auf der Agenda – Heilung vom Krebs. Mein Magen war stark befallen und bei der Entfernung des Magens wurden auch 19 umliegende Lymphknoten mitentfernt. 9 dieser 19 Lymphknoten waren von Metastasen befallen und meine Heilungschance stand auf Messers Schneide. Hätte ich noch ein paar Monate die Erkennung des Krebses verpasst, dann wäre keine Heilung mehr möglich und eine rein lebensverlängernde und später palliative Chemo-Behandlung wäre dann alles gewesen, was mir geblieben wäre.
Diesbezüglich muss ich natürlich sagen, dass ich sehr froh bin, dass es nicht zu diesem Äußersten gekommen ist. Ich hatte mehr Glück als Verstand.
Ich bin wirklich froh, auch wenn dieses Risiko nun immer mit dahin kommt, wohin ich gehe. Aber es hätte sehr viel schlimmer kommen können.
Nun erwartet mich ab dem 27.10.2026 die nächste Chemorunde und danach fängt die wirkliche Heilung an. Dann muss ich für mindestens 5 Jahre regelmäßig zur Krebsuntersuchung und hoffe, dass dann nichts mehr auftaucht.
Bis dahin wird gelebt!
An alle Menschen, die diesen Blog lesen und vor einer Behandlung stehen oder sich bereits in einer schmerzhaften und unangenehmen Behandlung befinden: Es lohnt sich trotz der Schmerzen. Es lohnt sich, das durchzustehen! Es wird wieder hell. Ich sitze hier zu Hause vor der Glotze und tippel auf dem Laptop diesen Text. Dabei löffel ich Babybrei Spaghetti Bolognese (mit manuell hinzugefügtem Salz) – was soll ich sagen. Es könnte schlechter sein.
Ich werde ruhiger treten, ich werde sehr viel weniger Arbeiten. Ich habe weniger Geld – aber ich habe sehr viel mehr Zukunft.
Nachtrag 06.10.2026
Nachdem ich ChatGPT den Tumorboard-Bericht gegeben habe, um ihn in normales, verständliches Deutsch zu übersetzen, weil ich kein studierter Arzt bin, geht es mir nun nicht mehr ganz so gut. Ich weiß natürlich, dass ein Risiko bestehen bleibt. Aber zu lesen und wirklich zu verstehen, dass es schlimmer war, als ich bisher dachte, nagt an mir.
Neun von 19 untersuchten Lymphknoten waren befallen. Der Tumor war weiter in die Magenwand vorgedrungen, als man vor der Operation angenommen hatte. Und auch die Chemotherapie vor der Operation hatte den Tumor offenbar nicht so stark zurückgedrängt, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte. Im Bericht steht, dass noch 80 Prozent vitaler Tumor vorhanden waren. Solche Zahlen lesen sich plötzlich ganz anders, wenn man versteht, was sie bedeuten.
Natürlich gibt es auch die andere Seite. Es wurden keine Fernmetastasen festgestellt. Der Tumor konnte mit freien Resektionsrändern entfernt werden und im Tumorboard steht weiterhin ganz klar, dass die Behandlung mit kurativer Absicht erfolgt. Also mit dem Ziel, mich zu heilen. Das sind verdammt wichtige Sätze und an denen halte ich mich fest.
Trotzdem macht mein Kopf gerade etwas, was wahrscheinlich viele Krebskranke kennen. Er sucht sich aus all den Informationen nicht die besten heraus, sondern bleibt ausgerechnet an den schlechten hängen. N3a. Neun befallene Lymphknoten. 80 Prozent vitaler Tumor. Extranodale Ausbreitung. Plötzlich stehen da Begriffe und Zahlen, die gestern für mich noch keine wirkliche Bedeutung hatten.
Vielleicht war es gar nicht so klug, alles bis ins kleinste Detail verstehen zu wollen. Aber so bin ich nun mal. Ich möchte wissen, was mit mir passiert und was in diesen Arztbriefen und Befunden tatsächlich über mich steht. Wegschauen würde mir wahrscheinlich genauso wenig helfen.
Und jetzt muss ich lernen, diese Informationen richtig einzuordnen. Ein erhöhtes Risiko ist keine Vorhersage meiner Zukunft. In meinem Bericht steht nicht, dass der Krebs zurückkommen wird. Dort steht auch nicht, dass ich nicht geheilt werden kann. Ganz im Gegenteil: Die Ärzte behandeln mich weiterhin mit dem Ziel der Heilung.
Vielleicht ist genau das jetzt meine nächste Aufgabe. Nicht ständig darüber nachzudenken, was irgendwann passieren könnte, sondern wieder mehr darüber nachzudenken, was heute ist.
Meine Aufgabe besteht darin, die Angst zu minimieren, und das Leben zu nutzen. Zu nutzen, um zu genießen. Im Sommer noch mal ein paar Tage mehr für den See einplanen. Trotz allem gutes Essen zu genießen. All das tun, was ich tun will und nicht das was ich tun muss. Naja. N paar Pflichten werde ich schon noch erfüllen ….
Erst mal muss das alles verdaut werden.
Hallo Herr Kleinert, das klingt wirklich erst einmal richtig gut und das noch eine Menge Heilungsarbeit vor Ihnen liegt war ja auch irgendwie klar. Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie sehr ich mich für Sie freue. Machen Sie das Beste draus und werden Sie schön gesund. Liebe Grüße Sascha!
Hallo Sascha. Ich war zu voreilig. Die Arztbriefe klingen nicht ganz so gut – leider.
Guten Morgen Herr Kleinert,
na das ist ja eine Achterbahnfahrt. Na dann hilft nur weiter Daumendrücken.
Ich wünsche Ihnen weiter alle Kraft und alles Gute.
Liebe Grüße Sascha