Meine Lieben,
ich hatte heute eigentlich vor, ein Video zu machen und den Text dazu einzusprechen. Ich habe mich wirklich darauf gefreut. Endlich mal wieder etwas Sinnvolles machen, den Kopf mit IT beschäftigen und euch etwas zurückgeben. Leider musste ich heute feststellen, dass das einfach nicht ging. Nicht wegen des Videos und auch nicht wegen des Textes. Mein Körper hat mir heute ganz klar gezeigt, wo im Moment die Grenzen liegen.
Das frustriert mich mehr, als ich eigentlich zugeben möchte. Mal geht es mir ein paar Stunden etwas besser und ich denke: „Jetzt schaffst du wieder etwas.“ Und im nächsten Moment holt mich die Realität mit voller Wucht wieder ein. Dieses ständige Auf und Ab zermürbt einen irgendwann.
Ich bin ja jetzt zu Hause und ungefähr in der Mitte der 3. Chemo. Morgen fahre ich wieder nach Buch. Dort wird zunächst mein Blut kontrolliert. Wenn die Blutwerte stimmen, ist am 03.08. die Aufnahme auf Station. Dort wird zunächst ein CT gemacht und im Rahmen eines Restagings nachgeschaut, ob sich der Tumor irgendwie verkleinert hat. Außerdem werden die Tumormarker ausgewertet. Anschließend wird im Tumorboard – einer Besprechung von Krebs-Spezialisten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen – darüber beraten, wie es mit Ralfi weitergeht. In jedem Fall bekomme ich dann auch die 4. Chemo.
Ich hoffe natürlich, dass die Ärzte mir sagen können, dass die Chemotherapie wirkt. Daran halte ich mich fest. Aber bis ich Gewissheit habe, arbeitet der Kopf natürlich ununterbrochen. Man versucht positiv zu bleiben, aber manchmal gelingt das einfach nicht.
Die Nebenwirkungen der 3. Chemo sind für mich jetzt schon richtig übel. Erst einmal tut mir vieles weh, wobei sich das in den letzten Tagen schon etwas gebessert hat. Meine aktuellen Probleme betreffen vor allem die Schleimhäute. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Körper nach und nach auflöst.
Meine Zunge ist stark verletzt und heilt einfach nicht mehr. Ich habe 3 bis 4 cm große Wunden unter der Zunge. Schlucken, Trinken, Essen und Sprechen sind dadurch zu einem riesigen Problem geworden. Das werde ich morgen gleich ansprechen. Das tut richtig weh und bereitet mir aktuell die größten Probleme. Ey. Das Zahnfleisch. Ich werde irre. Das ist sowas von fies und schmerzhaft.
Kann ich telefonieren? Nö. Ich höre mich an wie der Glöckner von Notre-Dame. Im ersten Moment muss ich darüber selbst lachen. Im zweiten Moment könnte ich einfach nur heulen.
Ich habe die letzten Tage ein paar Artikel über Firefox für meinen IT-Blog ausgearbeitet und wollte dazu ein Video machen. Kannste vergessen. Mit jedem Wort, das ich ausspreche, reiße ich mir die Zunge immer weiter auf. Dazu löst sich die Haut von den Lippen nach und nach ab. Sämtliche Schleimhäute im ganzen Körper spielen verrückt, lösen sich auf, schmerzen und jucken. Ich hätte nie gedacht, dass Schleimhäute einem das Leben so schwer machen können.
Und wisst ihr, was mich am meisten fertig macht? Dass ich eigentlich arbeiten möchte. Nicht weil ich muss. Sondern weil ich es doch so gerne mache. Videos machen, Artikel schreiben, Menschen helfen – genau das gibt mir Kraft – weil ich auch so viel zurück bekomme. Ausgerechnet das ist mir im Moment kaum möglich. Das fühlt sich an, als würde mir ein Stück meines Lebens weggenommen.
Ich wollte meiner Community noch eine Weile eine Hilfe sein. Ich wollte weitermachen. Ich wollte nicht, dass mein Kanal einfach einschläft. Aber mit dem Video muss ich erst einmal schauen. Im Augenblick ist da wirklich nichts zu machen. Das fällt mir unglaublich schwer zu akzeptieren.
Vielleicht helfen die beiden Artikel euch trotzdem ein bisschen weiter:
Das ist echt eine Qual. Man hat das Privileg, sich seine Arbeit aussuchen zu können. Das zu machen, worauf man Bock hat. Etwas gefunden zu haben, das einen erfüllt. Und dann kommt so eine Krankheit daher und nimmt dir Stück für Stück genau das weg.
Ich weiß, dass das alles irgendwann wieder vorbei sein wird. Daran glaube ich fest. Aber im Moment fühlt sich jeder einzelne Tag wie ein kleiner Kampf an. Man versucht stark zu sein, versucht zu lächeln, versucht nach vorne zu schauen. Und trotzdem gibt es Momente, in denen man einfach nur erschöpft ist und sich fragt, wann dieser ganze Mist endlich vorbei ist.
Als junger Kerl, Alter… so hatte ich mir mein Leben wirklich nicht vorgestellt.
Hallo Ralf, wenn das sprechen und Video drehen nicht möglich ist versteht bestimmt jeder wenn du dein Videos zur Zeit mit ki machen würdest.
Gute Besserung
Guten Abend Herr Kleinert,
oh man das klingt ja nicht schön und ich muss es ja nur lesen und Sie müssen es aushalten. Klar finde ich es gut immer mal ein neues Filmchen von und wirklich gerne mit Ihnen zu sehen aber so egoistisch darf man (ich) nicht sein und hier geht eindeutig die Gesundheit vor. Teilen Sie sich ihre Kraft gut ein. Beim Bund haben wir immer gesagt „mit ganzer Kraft aufs ganze Ziel“ dieser / ihr Kampf ist wohl kein Sprint, sondern wohl ein Marathon oder ein Ironman und: Ich glaube an Sie. Daumen sind gedrückt und alle finger gecrost Köppihoch und weiter gehts. Liebe Grüße aus Würstchenhausen (leider nun ohne Würstchen) Sascha
Hey Ralf ✌️
Jetzt ist es glaub ich an der Zeit, KI Ralfi zu erstellen ☺️ mach doch einfach einen, der so aussieht wie du, aber als Comic Figur. Mit einer lustigen Stimme, vielleicht der, von Bud Spencer oder so ☺️ gibt viele Möglichkeiten, du musst nicht aufhören, dafür ist moderne Technik ja schließlich da.