28.06.2026 – Mein 9. Tag nach der ersten Chemogabe
Ich fühle mich von Tag zu Tag besser. Als wenn ich nach einer Grippe langsam wieder gesund werde. Und da ich mich im häuslichen Umfeld bewege, muss ich sagen, dass das Thema Krebs irgendwie noch nicht richtig in meiner Großhirnrinde angekommen ist. Es guckt immer wieder mal durch, aber irgendwie habe ich es noch immer nicht richtig kapiert, worum es hier bei mir eigentlich geht. Als wenn mein Kopf das einfach nicht akzeptieren will.

Alle meine Symptome der Chemo haben sich mehr oder weniger zurückgebildet: Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und die anderen unangenehmen Nebenwirkungen.
Außer: Meine Mundschleimhäute machen mir wirklich Probleme. Die Zunge und die Wangen schmerzen wie verrückt. Jeder Schluckvorgang wird von Tag zu Tag unangenehmer. Heute bin ich mit richtig doll stechenden Schmerzen im Mund wach geworden. Ich habe hier alle möglichen Flüssigkeiten – Bepanthen, Kamillan usw. – zum Befeuchten und Gurgeln, aber das hilft immer nur kurz.
Und was ich merke, ist, dass alles verschwommen ist. Ich schreibe hier und habe den Text vergrößert wie ein 95-Jähriger. Das könnte aber auch an der widerlichen Hitze liegen.
Morgen, am Montag, den 29.06.2026, fahre ich früh morgens nach Buch in die Klinik. Dort wird mir dann Blut abgenommen. Das Blut wird untersucht, und es wird geschaut, inwieweit meine Chemotherapie anschlägt. Ob alles nach Plan funktioniert oder ob für den zweiten Chemozyklus noch einmal nachjustiert werden muss.
Heute, am 9. Tag, sind meine Mundschleimhäute meine Sorgenkinder.
Man glaubt ja gar nicht, wie oft man am Tag schlucken muss – egal, ob man etwas isst, trinkt oder eben nicht. Und erst wenn die Zunge oder die Wangen auf der Innenseite bei jedem Schlucken schmerzen, dann merkt man das auch.
Ich weiß ja, dass meine Schleimhaut im Mund nicht richtig nachwächst. Zum Vergleich habe ich meinen Bart im Gesicht. An dem Tag, an dem ich nach Hause kam, also am 22.06., habe ich mich rasiert. Das ist jetzt so sechs Tage her. Ich habe gerade mal etwa 1 mm Barthärchen. Normalerweise müsste ich inzwischen ein Fell im Gesicht haben wie ein Bär. Habe ich aber nicht. Das Wachstum ist quasi weg.
Ja, und wenn ich das auf die Zunge ummünze, dann brauche ich mich nicht zu wundern. Und wenn ich überlege, wie viele Chemotherapien ich noch bekomme … schönen Dank.
Hallo Herr Kleinert,
vielen Dank für den neuerlichen Einblick und der damit einhergehenden Arbeit von ihnen. Ich weiß, dass ich ihnen das nicht sagen muss aber sprechen Sie das Problem beim Arzt an evtl. ist das für das medizinische Fachpersonal so klar wie Kloßbrühe, dass man da im Vorfeld nicht drauf hingewiesen hat, dass das so sein wird und es gibt evtl. wirklich tolle Tipps und Tricks zur Linderung. Ich für meinen Teil neige gerne mal dazu viel zu viele Lutschelemente (Bonbons) über den Tag zu verzehren und habe dann auch einen heftig kaputten Mund aber das ist bestimmt nichts im Verhältnis zu ihren Problemen den ich hatte ja wenigsten den Genuss. Ich drücke ihnen für die morgige Untersuchung(en) alle zur Verfügung stehenden Daumen. Behalten Sie ihren Kopf schön oben und weiterhin alles Gute. Beste Grüße Sascha
Ein Hallo aus Aachen.
Ich kann die geschilderten Gedanken was die reale Umsetzung im Gehirn angeht sehr gut verstehen. Wie soll man das auch realisieren, noch ist alles da.
Ich hoffe das sie die Chemo einigermaßen gut verkraften und die Nebenwirkungen in einem erträglichen Rahmen bleiben.
Dann bis zum nächsten Eintrag.
Bleiben sie optimistisch!
Danke. Das bleibe ich.