Nach meiner 4. Chemotherapie sind jetzt wirklich einige Tage ins Land gegangen. Zunächst musste ich mich von der Chemo erholen. Es ging mir eine Weile ziemlich mies. Aber wollen wir mal nach vorne schauen.
Ich habe einige Kochvideos gedreht, nur noch nicht bearbeitet, weil dann doch mehr Zeit in meinen IT-Kanal geflossen ist, als ich erhofft hatte. Ich habe eine neue Videoserie auf YouTube gestartet und baue einen eigenen NAS (Netzwerkspeicher) aus alter Hardware. Die Serie läuft so ganz gut, und die Leute finden es auch gut. Ich habe da inzwischen insgesamt 4 Videos und baue das Teil so lange weiter, wie ich eben kann. Ich hoffe, dass ich vor der OP fertig werde mit dem Kasten. Wenn es dich interessiert, hier geht’s zur YouTube-Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PLSOyMvfoOUAM
Dann habe ich noch bei einem Kunden einen lokalen KI-Server installiert und ein bisschen was arbeitstechnisch gemacht. Sonst fällt dir die Decke auf den Kopf und du wirst verrückt.
Ich konnte mich also bis jetzt ganz gut ablenken. Allerdings muss ich sagen, dass mich meine Gedanken immer wieder einholen, umso näher der Termin kommt. Wenn man so in sich geht und dann die Erkenntnis kommt, was die da eigentlich mit mir machen wollen, dann wird dir ganz anders. Da hilft es mir auch nicht weiter, dass TikTok mich in eine Krebs-Bubble geschickt hat, in der Menschen sind, denen es weitaus schlechter als mir geht. Ich weiß, dass ich nicht die volle Breitseite der Krankheit eingefangen habe, aber wenn ich an mich selbst denke, dann genügt das bereits.
Jetzt am Wochenende kommt mein großer Bruder rum und wir wollen den Grill anschmeißen. Darauf freue ich mich. Dann will meine Tochter noch einmal mit mir essen gehen und auch darauf freue ich mich sehr.
Alles in allem bin ich momentan so abgelenkt und so in meiner Arbeit vertieft, dass ich gar nicht so viel vom Krebs mitbekomme. Ich merke es an meiner Kraft, dass diese sehr begrenzt ist. Und ich habe rund um die Uhr Magenschmerzen und das Gefühl von Sodbrennen. Aber dieser Krebs legt mich momentan nicht auf die Bretter.
Ich werde sehen, ob da noch irgendwie Depressionen kommen – ich hoffe nicht.
Die Ängste, die näher rücken
Aber ich will auch ehrlich sein: Es wird immer schwerer, die Gedanken abzuwehren. Der 11. September 2026 rückt näher – der Tag, an dem mir der Magen entfernt wird. Und je näher dieser Tag kommt, desto lauter werden die Stimmen in meinem Kopf.
Ich habe Angst. Richtige, dolle Angst.
Da ist zunächst die physische Angst vor der OP selbst. Vor dem Eingriff, der Narkose, davor nicht mehr aufzuwachen. Ich weiß, dass das irrational ist, dass Chirurgen das viele Male pro Jahr machen – aber das hilft nicht, wenn du nachts wach liegst und dein Herz gegen die Rippen hämmert. Da ist die Angst vor Komplikationen, vor Blutungen, vor allem, was schiefgehen kann. Die Ärzte sagen: das ist ein Standardeingriff. Aber Standard bedeutet nicht ungefährlich.
Aber noch größer ist die Angst vor dem, was hinterher kommt. Was bedeutet es, ohne Magen zu leben? Wie verändert sich mein Leben? Kann ich noch normal essen? Muss ich mich selbst überwinden, wenn ich in ein Restaurant gehe? Wie fühle ich mich körperlich? Werde ich ständig Schmerzen haben? Diese Fragen kreisen in meinem Kopf und es gibt keine einfachen Antworten.
Dann ist da noch eine andere Angst. Die Angst, dass die OP nicht reicht. Dass sie mir den Magen entfernen und der Krebs trotzdem zurückkommt. Dass ich all das durchmache und diese körperliche Verstümmelung über mich ergehen lasse. Und es dann, am Ende nichts gebracht hat. Das zu denken fühlt sich schlimm an. Als würde ich mir selbst keine Chance geben. Aber es ist eine Angst, die fucking einfach da ist.
Und dann ist da noch die Angst vor meinem eigenen Kopf. Vor Depressionen, die vielleicht kommen. Wenn dir dann die Realität in die Nüsse tritt. Meine Psyche hat bislang mitgespielt. Aber wird das so bleiben?
Die Arbeit hilft mir, nicht irre zu werden. Das vergraben in meine Projekte, die YouTube-Videos, arbeit beim Kunden, das sind Anker, oder besser das Ergebnis meines Fluchtinstinktes. Aber irgendwann werden diese Anker nicht mehr ausreichen.
Der 11. September kommt. Und ich muss da durch.
Hallo Herr Kleinert, klar schaue ich mir lieber Filmchen von und mit ihnen an aber hier mit zu lesen ist für mich eine recht neue Erfahrung. Ich lese nicht wirklich gerne und lasse mir Dinge echt lieber einfach zeigen aber die Herangehensweise von Ihnen zum und mit dem Thema ist schon beeindruckend. Ich neige auch dazu Sachen einfach zu ignorieren bis es nicht mehr geht und das ging bisher auch iwie gut aber da war natürlich nichts vergleichbares dabei aber da sind wir wohl nicht alleine. Ich denke in Buch arbeiten fantastische Spezialisten und die werden Sie schon wieder richtig zusammenbauen und ihnen ein ordentliches Leben ermöglichen. Ich für meinen Teil glaube da sehr fest dran und wünsche Ihnen alles erdenklich Gute auf dem Weg. Liebe Grüße Sascha
Hallo , als Spätabonnent Deines YouTube-Kanals und Neu-Fän, bin ich sehr
betroffen von Deinen Gesundheitsnachrichten.
Alles was man hier zu diesem Thema äußern kann, ist auch wenn es noch so gut
gemeint ist, kaum wirklich Hilfreich.
Aber ich glaube,Du machst in dieser Situation genau das Richtige – nämlich gegen die Angst Anschreiben.Probleme egal welcher Art,muss Jeder ausschließlich mit sich selbst verarbeiten.Wenn auch Nahestehende Personen etwas Wärme spenden können, die Probleme lassen sich von außen nicht lösen(schon garnicht gesundheitliche) Fazit , kämpfe weiter mit Worten und bremse damit das Gedankenkarussell. Ich wünsche viel Erfolg dabei (In der Zwischenzeit werde ich mich rückwärts durch Deine alten YouTube-Videos arbeiten)