So lasst mich berichten.
Ich bin Ralf, vielen meiner Leser und inzwischen auch einigen – und stetig mehr werdenden – Zuschauern auf YouTube als ComputerRalle bekannt. Ich brauche also nicht lange herumzudrucksen: Ich bin Ralf-Peter Kleinert.
Mit meinen 45 Jahren stehe ich im Augenblick recht zufrieden im Leben und kann mich weder über einen Mangel an Lebensfreude noch über fehlende berufliche Perspektiven beklagen. Auch fühle ich mich im Grunde mit allem um mich herum ganz wohl, wenn da nicht diese eine verzwickte Sache mit dem verfluchten Magenkrebs wäre.
Ich habe lange hin und her überlegt, ob und wie ich ein solches Krebstagebuch schreiben sollte, und musste mir zunächst selbst die Frage beantworten, warum ich das überhaupt tun sollte. Es gibt einige Gründe für mich, meine Erfahrungen hier aufzuschreiben.
Zum einen habe ich irgendwo einmal aufgeschnappt, dass es für die eigene Psyche vorteilhaft sein kann, wenn man sich seiner Probleme in irgendeiner Form entledigt. Mit einem Menschen zu reden kann sehr hilfreich sein, aber auch das Schreiben. Ich habe mich nun für das Schreiben entschieden. Als langjähriger Text- und Buchautor ist das, so glaube ich, gar keine so dumme Entscheidung.
Ein Grund: Vielleich hift es auch anderen von Krebs Betroffenen
Viele in meinem Freundeskreis sagen mir immer wieder, dass sie erstaunt sind wie ich mit meiner Situation umgehe. Dass ich immer noch in die Kamera lachen kann und mir auch die Mühe mache, mein Krebsleiden in Form von Videos oder Texten zu Thematisieren.
Ich kann hier nur sagen, dass es sich nicht für mich anfühlt wie Mitleid zu erhaschen. Dieses Denken und der Drang Mitleid zu erhaschen tritt so stark in den Hintergrund, und ist so unwichtig wenn man mit dem Tode bedroht wird. Man will so viel sagen und tun, und – ja. Ich kann nur sagen, dass es mir persönlich sehr hilft. Ich habe einmal das Gefühl eine Aufgabe zu haben. Das fühlt sich wichtig an und es ist dennoch kein Zwang vorhanden, das zu tun. Es gibt einfach ein gutes Gefühl.
Ich kann nur den Ratschlag geben, weitermachen. Nicht verkriechen. Das tun, was man gerne tut. Das hilft mir. Vielleicht auch dir. Denn jede minute die man sich verkriecht und nichts mehr tut, ist eine verlorene Minute, die besser genutzt werden kann. Das ist natürlich meine Meinung. Aber „Leider“ spreche ich hier aus Erfahrung.
Von mir aus geh zu Edeka und klau ne Tafel Schokolade! Kommt geil! Und wenn dann die Polizei kommt, weil du so blöd warst dich erwischen zu lassen, sagste: „Verpiss dich. Bulle!“ Glaub mir. Kommt noch geiler!
Hach, hab ick wieder gelacht eben.
Warum verwende ich NICHT MEHR Blogger von Google?
Ursprünglich hatte ich mich bewusst für Blogger entschieden. Ich wollte kein weiteres Blogsystem auf meinem eigenen Webserver installieren. WordPress, Joomla oder andere Systeme kamen zwar infrage, aber ich hatte schlicht keine Lust, mich um Updates, Wartung, Backups und die technische Infrastruktur zu kümmern. Bei Blogger übernimmt Google all diese Aufgaben. Ich konnte mich einfach anmelden, einen Beitrag schreiben und sogar bequem vom Handy aus bloggen. Genau das war für mich damals ein großer Vorteil.
Doch inzwischen hat sich meine Meinung geändert.
Je intensiver ich den Blog genutzt habe, desto häufiger bin ich auf technische Probleme gestoßen. Suchmaschinen wie Google und Bing meldeten Indexierungsprobleme, Seiten wurden teilweise nicht verarbeitet oder es wurden Fehler angezeigt, die ich selbst nicht beheben konnte. Und genau das ist für mich das eigentliche Problem.
Wenn Google mir erklärt, dass ein Google-Dienst technische Schwierigkeiten hat und ich diese Probleme irgendwie lösen soll, obwohl ich keinen Zugriff auf die technische Basis habe, dann passt das für mich nicht zusammen.
Als langjähriger ITler und ehemaliger Webdesigner fällt es mir schwer, solche Dinge einfach hinzunehmen. Ich möchte verstehen, warum etwas nicht funktioniert. Und wenn es Probleme gibt, möchte ich die Möglichkeit haben, diese selbst zu beheben.
Deshalb habe ich mich letztendlich doch für eine eigene WordPress-Installation entschieden.
Ja, das bedeutet mehr Arbeit. Ich muss mich selbst um Updates, Sicherheit, Backups und die Wartung kümmern. Dafür habe ich aber die volle Kontrolle über die technische Basis meiner Webseite. Ich kann Fehler analysieren, Suchmaschinenprobleme nachvollziehen und Anpassungen vornehmen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte.
Manchmal ist Bequemlichkeit nicht alles. Gerade wenn ein Projekt langfristig wachsen soll, ist eine saubere und zuverlässige technische Grundlage wichtiger als ein paar eingesparte Minuten Verwaltungsaufwand.
Deshalb verlasse ich Blogger nach vielen Jahren und betreibe diesen Blog künftig auf meinem eigenen Server.
Rechtschreibung und Tippfehler
Ich schreibe hier selbst, ohne KI unterstützung und ohne technische Texthilfen. Es ist mir gelinde gesagt scheiss egal, ob sich hier irgendwo Textfehler einschleichen. Dann ist es eben so. Wenn ich hier meine Texte mit KI erstellen, oder überarbeiten würde, dann würde ja auch der psychisch erleichternde Effekt verloren gehen. Ich schreibe das nieder, was mich schwer bewegt, was mir wichtig ist loszuwerden, um meiner Gesundheit ein bisschen auf die Sprünge zu helfen.
Will ja hier kein Hochglanz- und glattgebügeltes Magazin veröffentlichen. Ich will mir vielleicht meine Ängste von der Seele schreiben. Das Internet öffnen wie einen Mülleimer und reinkotzen bis es mir besser geht. Und ganz ehrlich? Alleine der letzte Absatz! Es geht mir schon jetzt viel besser.
Was die Leute darüber denken?
Es gibt so Sachen die mir wirklich scheiss egal sind. Z.B. ob es peinlich ist, seine Ängste zu äußern. Aber was mir noch scheiss egaler ist, quasi am scheiss egalsten überhaupt: was andere darüber denken könnten. Die grausige Fratze des Todes grinst mir ins Gesicht! Es ist mir wirklich einen riesengroßen Haufen Kamel-Scheiss-Egal, was andere davon halten.
Ich kann über meine eigenen Texte lachen
Das ist eine Gabe und Fähigkeit, über die ich sehr dankbar bin. Ich schreibe schon mein ganzes Leben sehr viel und manchmal schlage ich da auch schwer über die Stränge. Und ja, es gefällt beiweitem nicht jedem, was ich manchmal so zu Papier bringe. Oft gehen meine Texte auch unter die Gürtellinie. Aber hier und jetzt geht es mir nur um mich. Wenn ich eine Zeile schreibe, die mich selbst zum Lachen bringt, dann wäge ich nicht ab, ob es irgend jemand anderes in irgendeiner Form übern Frühstückstisch kullert.
Wen et nich passt. Bitte da is die Tür.
Meine Familie, meine Geschwister
Ich war mit 3 meiner Geschwister am 11.06.2026 nochmal Essen und es war ein wundervoller Abend. Ich bin dankbar, dass ich so viele Geschwister habe und dass diese mir beistehen.
Ich danke euch und ich muss sagen, dass ich jeden einzelnen von euch Liebe, ganz gleich welche Probleme aktuell zwischen uns stehen. Es gibt viele Situationen die zurückliegen, welche uns allen Probleme gemacht haben. Aber ganz gleich welche Probleme da irgendwo rumoren. Diese Probleme können die vielen Jahre in denen wir uns gemeinsam getragen haben nicht zunichte machen. Jedenfalls nicht von meiner Seite.
Gezwungener Maßen muss ich auch an die Vorfällke denken die nicht so gut gelaufen sind. Aber wenn ich an all die schönen Dinge denke – welche weitaus mehr sind als die schlechten, dann bin ich einfach froh jeden einzelnen von euch da zu wissen.
Das habe ich am 09.06.2026 auf YouTube als Beitrag veröffentlicht
Und ich habe viele, viele Kommentare dafür bekommen. Ich bin gerührt und sehr dankbar für diesen enormen Zuspruch. Das hilft wirklich sehr, das alles besser zu verarbeiten.
Der Text aus YouTube:
https://www.youtube.com/@ComputerRalle/posts
Hallo meine Lieben Follower, ich möchte euch kurz auf den aktuellen Stand bringen. Ich habe heute mit der Klinik Berlin Buch telefoniert. Morgen früh am 10.06.2026 um 9 Uhr habe ich meinen Termin zur Operationsvorbereitung. Dabei stehen Blutabnahme, organisatorische Dinge und die rechtlichen Formalitäten auf dem Programm.
Am Freitag den 12.06.2026 werde ich operiert, bekomme einen Port eingesetzt, das ist ein fester Zugang am Schlüsselbein, über den später die Chemotherapie verabreicht wird und man möchte mit einer Kamera meinen Bauchraum sichten. Nach aktuellem Stand folgen anschließend vier Chemotherapiezyklen. Ein Zyklus kann dabei etwa zwei bis drei Wochen dauern. Wenn die Chemotherapie abgeschlossen ist, soll mein Magen entfernt werden und danach folgen erneut Chemotherapien.
Der Arzt hat mir heute am Telefon einen Satz gesagt, an dem ich mich festhalte: „Das Ziel ist die Heilung“ und dieser Satz klingt natürlich bei mir nach.
Im Moment weiß ich oft nicht, was ich und wie ich denken, was ich tun oder was ich lassen soll. Manchmal fühlt sich alles unwirklich an und manchmal kommt die Realität mit voller Wucht zurück. Ich habe Angst. Wahrscheinlich mehr als jemals zuvor in meinem Leben. Das ist jetzt keine Angst, wie ich sie als Kind erlebte, wo Prügel, Erniedrigung und Züchtigung meinen Tag mitbestimmten. Die letzte Nacht war schon ziemlich die Hölle und an die nächtse Nacht will ich gar nicht denken. Ich wache verängstigt auf und befinde mich in einer Situation, der ich mich nicht entziehen kann. Kein Flüchten, kein Verstecken und kein Davonlaufen möglich.
Das ist blanke Angst – muss ich einfach mal so schreiben den Satz. Angst vor dem, was danach kommt. Angst vor dem was vielleicht danach nicht mehr kommt. Vor der Ungewissheit. Vor den Veränderungen. Vor einem Leben, das vermutlich nie wieder so sein wird wie vorher. Und natürlich auch vor dem Ende meines Lebens, jetzt wo ich noch so viele Pläne habe. Ich sitze hier am Fenster an meinem Laptop und höre draussen die Vögel singen. Die Angst davor diesen Vogelgesang, an den ich mich 45 Jahre lang gewöhnt habe, nicht mehr hören zu können.
Im Moment kann ich nicht sagen, was in einigen Monaten sein wird. Ich weiß nicht, wie mein Alltag aussehen wird. Ich weiß nicht, wie belastbar ich sein werde. Und ich weiß auch nicht, ob ich meine kleine Firma später wieder so weiterführen und ausbauen kann, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Vielleicht nage ich am Hungertuch in einigen Monaten, aber solange ich leben kann, wäre mir das auch recht. Im Augenblick bleibt mir nichts anderes übrig, als Schritt für Schritt weiterzugehen und darauf zu vertrauen, dass die Ärzte wissen, was sie tun.
Ich möchte – nein. Das ist der falsche Wortlaut. Ich bin gegen meinen Willen gezwungen euch mitzuteilen, dass es auf meinem Kanal erst einmal wahrscheinlich etwas ruhiger werden wird. Viele von euch begleiten mich schon eine Weile. In nur 18 Monaten ist hier eine Gemeinschaft entstanden, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Aus ein paar Videos über Computer, Server, Linux, Proxmox und IT-Sicherheit sind nun mehr als 5.000 Abonnenten geworden. Vor allem aber sind diese Abonnenten Menschen, die mitdenken, mitfiebern, helfen, diskutieren und mich unterstützen. Ja – auch Nervensägen sind dabei. Aber in Anbetracht meiner Situtation muss ich ganz klar sagen: Ich liebe euch alle! Und dafür bin ich unglaublich dankbar, dass ihr daseid und mir beisteht.
Ich habe zum Start meines ersten Videos im November 2024 einen klaren Plan gehabt und ihn umgesetzt. Dass ich nicht vollkommen auf die Schnauze falle, wusste ich. Ich hatte da schon ziemlich viele Einheiten meiner Proxmoxbücher verkauft. Dass es aber so gut laufen würde hatte ich auch nicht auf dem Zettel.
Ich werde das Proxmox Praxisbuch VE 9 nicht wie geplant erweitern und überarbeiten können. Die Verkäufe werden einbrechen. Ich werde meinen Kanal nicht wie geplant mit IT-Videos bespielen können und die Klick- und Abo-Zahlen, sowie die YouTube-Einnahmen werden vermutlich einbrechen. Der Algorithmus ist hier gnadenlos. Mein ganzer Plan wird hier wohl nicht mehr aufgehen. Man hab ich Sorgen. Der Sensenmann steht an der Tür, und ich mach mir n Kopp über meine Einnahmen.
Die bevorstehenden Behandlungen und meine Genesung haben jetzt oberste Priorität und auch wenn es verdammt wehtut zusehen zu müssen wie meine schöne Arbeit den Bach runtergehen wird, so nehme ich mir vor: Wenn ich wieder da bin, dann lass ich es krachen, bis die Düse rauscht! Ich muss meine Energie in die Therapie und in meine Gesundheit investieren. Rumgammeln, abschalten, mampfen wo es geht und die Seele und den Körper reinigen und gesunden lassen. Kein YouTube-Stress. N Video wenn ich mal Bock habe. Der Algorithmus will IT Videos von mir, sonst bestraft er mich mit Unsichtbarkeit. Wenn ich Ralfi-Updates zu meiner Gesundheit hochlade – weiss die YT-KI nicht wie sie meinen Kanal einordnen soll. Scheiss drauf!
Ganz verschwinden werde ich nicht, solanmge ich noch Luft hole. Ich werde euch weiterhin über meinen Weg informieren und euch auf dem Laufenden halten, wenn es etwas Neues gibt. Und wenn es irgendwann niemanden mehr interessiert – auch gut.
Die vielen Nachrichten, Kommentare, E-Mails und Genesungswünsche haben mich tief berührt. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie viel Kraft mir das gerade gibt. Ja es hilft, aber meine Angst und meine Sorgen – wenn ich den Deckel vom Laptop zuknalle, dann sitze ich hier mit mir und habe Schiss. Ich war vorhin in der Badewanne und hätte nie gedacht, dass es mich mal so auf den Boden schlägt!
Vielleicht werdet ihr eine Weile nichts von mir hören. Vielleicht aber doch. Ich weiß es nicht. Ich weiß es einfach nicht.
Euer ComputerRalle
Du machst das genau richtig.Ich glaube für viele Deiner Abonnenten zu sprechen,wir wünschen Dir viel Glück und Erfolg auf diesem schweren Weg und hoffen auf eine „Auferstehung“Deiner Videos und überhaupt 🤝🍀 Ich wollte nicht als Anonym schreiben,aber anders hat’s nicht geklappt (vlt. binnick zu doof🤷♂️)
Nein. Du bist nicht zu Doof! Aber genau deshalb habe ich das anonyme Kommentieren aktiviert. Der ganze Scheiss wird zu komplex.
Hallo Herr Kleinert, auch hier: ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute aber vor allem Kraft und auch etwas Glück. Beste Grüße Sascha
Danke lieber Sascha.
Hey Ralle, hier ist die Olle von Ludse-du weest schon welche. Ich lass dir mal einen lieben Drücker da und ne Tüte voll Kraft und Mut, eine grosse Portion Genesungswünsche kommen noch mit rein, eine Prise Zuversicht und Hoffnung, ein paar Tropfen Humor, damit du ihn nie verlierst und was man sonst noch so alles braucht.
Ja. Die Olle von Ludse. So Richtung Chemnitz – Dresden – Leipzig.
Danke schön 💋