Hallo meine Lieben,
ich habe ja nun eine Weile nichts mehr geschrieben. Mir war nicht danach. Mir war rund um die Uhr kotzübel und ich hatte einfach keine Lust.
Heute ist der erste Tag, an dem die Nachwirkungen der 2. Chemoreihe ein wenig abklingen. Ich sitze vor der Glotze und schaue auf SAT1 Gold „Unsere kleine Farm“. Diese Sendung ist so herrlich aufbauend. Jede noch so kleine Ungerechtigkeit wird umgehend mit einer großen Kelle Gerechtigkeit geahndet. Sobald die dunkle Fratze lacht, egal worum es geht, wird sie vom Guten gleißend ausgeleuchtet. Naja, und dann noch die schöne Melodie. Was will man mehr?
Also, um nochmal auf mich zurückzukommen: Mein 2. Zyklus ist ja vollkommen in die Hose gegangen und es wird vermutet, dass das Oxaliplatin der Übeltäter ist. Meiner Meinung nach ist das aber nicht bewiesen. Die haben noch so viel anderes in mich reingepumpt. Was ist also die Erkenntnis daraus? Es bleibt die Angst, dass es wieder so ausartet, weil es vielleicht doch das Docetaxel oder das Leukovorin gewesen ist und nicht das Oxaliplatin. Die stechen also die Nadeln in den Port, und dann irgendwann laufen die Medikamente ein und ich werde quasi daliegen und auf den Hammer warten. Ich hoffe, dass es nicht nochmal passiert. Diese Schmerzen. Dann werde ich darum bitten, die Magen-OP vorzuziehen, und vielleicht ersparen mir die Ärzte dann auch weitere qualvolle Torturen.
Was ist jetzt zu Hause passiert? Ich habe überall Haare verloren und ein einfaches Durch-die-Haare-Streichen hat es offenbart. Ganze schwarze Büschel blieben zwischen den Fingern hängen. Also bin ich zum Friseur und meine Friseurin scherte mir den Kopf. So sehe ich nun aus. So renne ich nun herum. Und jeder Blick in den Spiegel erinnert mich schonungslos an das, was mit mir ist und was noch auf mich zukommt.
Und jetzt habe ich lange hin und her überlegt, ob ich ein Bild von mir überhaupt veröffentlichen soll. Es ist schon unangenehm, keine Frage. Jedes Mal, wenn ich das Foto anschaue, fange ich wieder an zu zweifeln. Soll ich es wirklich zeigen? Muss das sein?
Aber dann stelle ich mir eine andere Frage: Ist jetzt wirklich die Zeit, mich für das zu schämen, was ich gerade bin?
Nein. Ich bin jetzt erst einmal so. Die Krankheit gehört im Moment zu meinem Leben, genauso wie die Chemotherapie und alles, was sie mit mir macht. Die Glatze ist keine Entscheidung aus Eitelkeit gewesen, sondern eine Folge meines Kampfes gegen den Krebs. Sie erzählt eine Geschichte, die mich anwidert. Und der Erzähler dieser Geschichte will dieses Buch nicht weglegen. Liest einfach weiter.
Wenn ich ehrlich bin, dann wäre es doch falsch, genau diesen Teil meines Weges zu verstecken. Dieser Blog soll mir selbst helfen meine Krankheit besser zu verkraften, aber anlügen muss mich dieser Blog auch nicht. Also gehört auch dieses Bild dazu. Es zeigt nicht nur einen Menschen ohne Haare. Es zeigt einen Menschen, der gezwungen wird zu kämpfen.

So sehe ich im Moment aus. Und genau so bin ich jetzt.
Ich bin müde und mir ist trotz der Besserung schlecht. Also mache ich die Glotze aus und gehe ins Bett.
Lieber Ralf,
Hochachtung vor deinem Mut und deiner Ehrlichkeit!
Alles erdenkliche Gute für dich!
Vielen Dank!
Hallo Herr Kleinert
und dabei hatte ich sie echt wegen Ihrer schönen Haare abonniert.
Spaß bei Seite!!!
Es gibt wirklich schlimmeres und Sie können es sogar tragen.
Also wie immer Köppi hoch auch wenn es aktuell etwas schwerer fällt, weil es ja auch nicht unbedingt Mützenwetter ist.
Beste Grüße
Sascha
Ja. Genau. Die meisten haben wegen meiner phantastischen Haare abonniert. 🙂