Heute geht es um die Wurst. Es geht weiter mit der Chemotherapie, und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich könnte mir ungefähr tausend Dinge vorstellen, die ich heute lieber machen würde. Ich habe überhaupt keine Lust darauf.
Und ja: Ich habe Angst. Nicht nur ein bischen Unbehagen oder ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich habe richtig Angst davor, dass es wieder so schlimm wird wie beim letzten Mal.
Ich weiß noch ganz genau, wie ich im Bett lag, mich vor Schmerzen zusammengekrampft habe und teilweise nicht einmal mehr in der Lage war, selbst den Notknopf zu drücken. Diese Bilder verschwinden nicht einfach wieder aus dem Kopf, nur weil ein paar Tage vergangen sind. Der Körper hat sich vielleicht ein wenig erholt. Aber der Kopf erinnert sich. Und genau mit diesen Erinnerungen fahre ich heute wieder in die Klinik.
In die Klinik und den Chemotrop anschließen
Um 9 Uhr schlage ich dort auf. Dann wird mein Port angestochen, der Zugang gelegt und irgendwann hängt dieser Tropf wieder neben mir. Flaschen, Beutel, Schläuche und Medikamente, deren Namen ich mittlerweile zwar kenne, vor denen ich aber trotzdem einen gewaltigen Respekt habe. Normalerweise soll eine Chemotherapie den Krebs bekämpfen. Das weiß ich. Dafür mache ich das Ganze schließlich.
Aber wenn man einmal erlebt hat, wie der eigene Körper auf diese Medikamente reagieren kann, dann geht man nicht einfach locker pfeifend zur nächsten Runde. Dann fragt man sich bei jedem neuen Beutel: Was passiert jetzt? Vertrage ich das? Kommen die Schmerzen wieder? Kann ich noch rechtzeitig Hilfe holen? Wird die Behandlung wieder abgebrochen?
Ich hoffe sehr, dass es wirklich das Oxaliplatin war, das mir beim letzten Mal diese heftigen Probleme bereitet hat.
Nicht etwa, weil ich froh darüber wäre, ein bestimmtes Medikament nicht zu vertragen. Sondern weil es wenigstens eine Erklärung wäre. Etwas, das die Ärzte vielleicht verändern, reduzieren oder durch etwas anderes ersetzen können.
Die Vorstellung, dass niemand genau weiß, wodurch diese Schmerzattacken ausgelöst wurden, macht mir nämlich fast noch mehr Angst. Denn wie soll man etwas verhindern, wenn man nicht weiß, was es verursacht hat? Vielleicht läuft heute alles vollkommen anders.
Vielleicht sitze ich dort, bekomme meine Medikamente und merke irgendwann, dass meine ganze Angst zwar verständlich, aber dieses Mal unbegründet war. Vielleicht bleibt es bei Übelkeit, Müdigkeit und dem üblichen Chemogefühl. Auch darauf kann ich gut verzichten, aber damit könnte ich leben.
Ich hoffe, dass keine starken Nebenwirkungen der Chemo auftreten
Ich wünsche mir einfach, dass dieses andere Zeug mir nicht wieder so sehr zusetzt. Dass mein Körper diesmal nicht wieder völlig die Kontrolle verliert. Dass ich ansprechbar bleibe. Dass ich selbst den Notknopf drücken kann, wenn etwas ist. Und dass Ärzte und Schwestern genau hinschauen. Manchmal denkt man als Außenstehender vielleicht: Der hat das doch schon einmal gemacht. Jetzt weiß er wenigstens, was auf ihn zukommt. Aber genau das ist das Problem. Jetzt weiß ich, was passieren kann.
Beim ersten Mal geht man mit Angst vor dem Unbekannten hinein. Jetzt gehe ich mit der Erinnerung an etwas hinein, das ich auf gar keinen Fall noch einmal erleben möchte. Und trotzdem gehe ich hin. Nicht, weil ich plötzlich mutig bin. Nicht, weil ich keine Angst habe. Und schon gar nicht, weil ich mich auf diesen Tag freue. Ich gehe hin, weil ich gesund werden will.
Ich gehe hinn, weil ich noch viele Dinge vorhabe. Weil ich noch Videos machen, Texte schreiben, lachen, diskutieren, basteln und meinen Mitmenschen auf den Keks gehen möchte. Ich möchte mich wieder um meinen YouTube-Kanal kümmern. Ich möchte wieder vor meinem Rechner sitzen und mich über irgendwelche technischen Probleme aufregen, die im Vergleich zu diesem ganzen Krebswahnsinn eigentlich wunderbar unwichtig sind.
Ich will ganz normal meine Arbeit machen
Ich möchte wieder über Proxmox, Linux, Computer und IT-Sicherheit nachdenken – und nicht ständig darüber, welches Medikament gerade durch meinen Körper läuft und welche Nebenwirkung als Nächstes um die Ecke kommt.
Wenn alles gut läuft, kann ich die Klinik in ein oder zwei Tagen wieder verlassen. Dann komme ich nach Hause, erhole mich und kann mich hoffentlich Stück für Stück wieder um meinen Alltag kümern. Natürlich werde ich nicht sofort Bäume ausreißen. Das wäre auch vollkommen bekloppt. Mein Körper braucht seine Zeit, und die werde ich ihm geben müssen. Aber zu Hause sein ist etwas anderes.
Der eigene Schreibtisch. Das eigene Bett. Die vertrauten Geräusche. Mein Computer. Mein YouTube-Kanal. Einfach wieder ein kleines Stück Normalität. Ich versuche, mich an diesem Gedanken festzuhalten. Heute muss ich da durch. Schritt für Schritt. Erst in die Klinik fahren. Dann die Aufnahme. Dann den Port. Dann der erste Beutel. Nicht jetzt schon im Kopf alle möglichen Katastrophen durchleben. Ob mir das gelingt, weiß ich nicht. Aber ich versuche es.
Und natürlich werde ich hier wieder schreiben, wie es gelaufen ist. Ich hoffe sehr, dass ich dann berichten kann, dass meine Angst größer war als das, was tatsächlich passiert ist. Bis dahin könnt ihr gerne wieder die Daumen drücken. Ich kann es gebrauchen.
Noch immer merke ich diese fiesen Schmerzen.
Sie sind nicht mehr so stark wie in der Klinik, als ich mich völlig hilflos im Bett zusammengekrampft habe. Aber sie sind eben auch nicht einfach verschwunden. Sie sind noch da und erinnern mich immer wieder daran, was mein Körper durchgemacht hat.
Besonders merke ich es, wenn ich mich anstrengen muss. Wenn ich die Treppen nehme, zieht dieser Schmerz wieder durch meinen Oberkörper. Dann bleibt mir plötzlich die Luft weg und ich muss stehen bleiben. Eigntlich ist eine Treppe etwas vollkommen Normales. Ein paar Stufen, über die man früher nicht einmal nachgedacht hat. Jetzt können diese paar Stufen dazu führen, dass ich das Gefühl bekomme, mein Körper zieht mir einfach den Stecker.
Deshalb habe ich solche Angst vor der dritten Chemo
Nicht nur wegen des Schmerzes selbst, sondern weil ich nicht weiß, was dahintersteckt. Ich weiß nicht, ob das noch eine Nachwirkung der Chemotherapie ist. Ich weiß nicht, ob sich mein Körper einfach noch erholen muss, Und ich weiß auch nicht, ob diese Schmerzen irgendwann wieder vollständig verschwinden.
Im Kopf schleicht sich dann natürlich sofort die nächste Sorge ein: Was ist, wenn das so bleibt? Was ist, wenn ich von nun an bei jeder Anstrengung diese Schmerzen bekomme? Was ist, wenn mir bei jeder Treppe die Luft wegbleibt? Was ist, wenn das nicht nur eine vorübergehende Nebenwirkung ist, sondern etwas, das mich mein weiteres Leben begleiten wird?
Ich versuche, mich nicht vollkommen in diesen Gedanken zu verlieren. Noch ist das alles frisch. Mein Körper hat Medikamente abbekommen, die nicht mal eben nach ein paar Stunden wieder verschwunden sind. Vielleicht braucht er einfach Zeit. Vielleicht wird es jeden Tag ein kleines bisschen besser. Aber dieses Nichtwissen ist schwer auszuhalten.
Man hört bei jedem Ziehen in sic h hinein. Man beobachtet jede Veränderung. Man fragt sich ständig: War das gestern auch schon so? Ist es heute schlimmer? Ist es vielleicht doch ein wenig besser geworden? Und so wird plötzlich selbst eine einfache Treppe, ein Gang zum Supermarkt, der Gang zum Müllcontainer zu einer Prüfung.
P.S.: Mein Klassenkamerad ist auch wieder da heute. Vielleicht bekommen wir auch wieder gemeinsam ein Zimmer. Mal schauen. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich mich fast freuen. Aber es tut mir auch für ihn, unendlich Leid.
Meine lieben YouTube-Abonennten
Ein ganz besonderer Dank geht an alle, die über YouTube hierhergefunden haben und mich dort so unglaublich stark unterstützen – mit Spenden, mit Hunderten von Kommentaren unter meinen Videos und mit vielen aufmunternden Worten. Diese Unterstützung bedeutet mir sehr viel und gibt mir immer wieder Kraft. Vielen, vielen Dank dafür!
….und ich habe das Gefühl, dass es das Oxaliplatin war. Wehe, wenn nicht….
Ich kenne Ihre so berechtigten und so was von verständlichen Ängsten nur zu gut. Es geht doch wohl nicht nur gefühlt um Leben, Tod, Schmerz und Leid! Was löst bei uns Menschen denn mehr aus? NIX. Intensivere Gefühle kenn ich eigentlich nicht.
In Gedanken an Sie….
Hey Ralf ✌️ Sorry, hab grad ne sehr stressige Zeit. Wollte dir ja eigentlich ne mail schicken, jetzt hab ich geguckt und nur die Kunden Email auf deiner computer Seite gefunden. Ich geb dir jetzt mal meins, ich hab’s sowieso nicht so mit Email, würde aber gern wieder Kontakt aufnehmen und dir beistehen. Bin bei WhatsApp und telegram @Anniethebloody vielleicht haste ja Bock mir zu schreiben, dann können wir die ganze Sache auch auflösen. Ich hoffe, du hattest diesmal keine Schmerzen. Geht ja gar nicht, dass die das nicht wissen. Wie gesagt, wirst ja nicht der erste sein, dem das passiert. Ich wünsche dir viel Kraft und Glück und auch, dass du mit deinem Klassenkameraden auf ein Zimmer kommst 🍀🤞
Hallo Annie. Auf WhatsApp kann ich dich unter dem Nutzernamen leider nicht finden. Ich habe Singal und WhatsApp unter: 0163 220 492 3. Und meine Mailadressen, wo du mich persönlich erreichen kannst sind: [email protected] und [email protected] – ich würde dich bitten mich dort kurz anzuschreiben. Vertraulichkeit garantiere ich. Es verlässt kein Wort unsere Konversation.
Ich habe zum Glück gerade keine Schmerzen, und ich habe auch schon einen Beitrag hier auf dem Blog. Ja. Mein Kumpel ist auf dem Zimmer.
Ich freue mich sehr auf Nachricht von Dir und bin gespannt, wer sich hinter den Kommentaren verbirgt.
….und ich habe das Gefühl, dass es das Oxaliplatin war. Wehe, wenn nicht….
Ich kenne Ihre so berechtigten und so was von verständlichen Ängsten nur zu gut. Es geht doch wohl nicht nur gefühlt um Leben, Tod, Schmerz und Leid! Was löst bei uns Menschen denn mehr aus? NIX. Intensivere Gefühle kenn ich eigentlich nicht.
In Gedanken an Sie….
Hallo Herr Kleinert,
na dann auf gehts.
Ich wünsche Ihnen das es diesmal erheblich besser läuft und Sie sich nicht so quälen müssen. Also weiterhin Kopfhoch und viiiel Kraft.
Liebe Grüße
Sascha